10
Jan
2009

Leser-Dialog: Vermisste

Nighty hat sich schon sehr schön ausführlich und richtig zum Thema ausgelassen, so dass ich mich eigentlich recht kurz fassen kann.

Ich halte mich immer an die Dienstvorschrift, die folgendes besagt:

Personen gelten als vermisst, wenn

- sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben
- ihr Aufenthalt unbekannt ist und
- für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann,

z.B. als Opfer einer Straftat, bei einem Unglücksfall, bei Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht.

Minderjährige gelten in jedem Fall als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und ihr Aufenthalt unbekannt ist. Bei ihnen muss grundsätzlich eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen
werden, solange Erkenntnisse oder Ermittlungen nichts anderes ergeben.


Etwas ausführlicher wird es noch an dieser Stelle hier erklärt (Danke an den anonymen Kommentator für den Link)

Dann noch ein kurzes Statement zu Sebastian. Du verhältst Dich mit Deinen An- und Abmeldungen sehr vorbildlich und machst eine Lagebeurteilung in Deinem Fall recht einfach. DAS ist gut.
SCHLECHT ist das hier:

Sofort!
Wenn ich jemanden vermisse, dann rufe ich die Polizei an und fordere auch dass die dann aktiv werden. Was interessiert mich denn was der "Polizist" am anderen Ende der Leitung denkt. Der kennt weder mich noch die Person die vermisst wird - was soll der also beurteilen ob er da jetzt weiter die Beine hochlegt oder anfängt zu arbeiten? Er wird doch schliesslich von meinen Steuergeldern bezahlt - also soll er auch was dafür tun, wenn ich jemanden als "vermisst" melde.


1. Was DU FORDERST interessiert die Polizei überhaupt nicht.
2. Es sollte Dich schon interessieren, was der Polizist denkt. Polizisten sind nämlich keine Diener, die ihrem Herren, dem Steuerzahler jeden Wunsch von den Lippen ablesen. SIE entscheiden aufgrund von Gesetzen und Vorschriften ob und wie sie tätig werden. Denkt ein Polizist, dass er nicht tätig werden wird, dann kannst Du Dich auf den Kopf stellen.
3. Ob und wie viele Steuern jemand zahlt, ist für uns bedeutungslos. Wenn jemand keine Steuern zahlt, hilft die Polizei ihm genauso intensiv und bemüht wie jedem anderen auch. Ein Millionär, der hohe Steuern zahlt wird dagegen nicht schneller, besser oder höflicher behandelt als jeder andere auch.
4. Polizisten sind auch Menschen und reagieren menschlich. Sprichst Du einen Polizisten mit den Worten an, die ich oben zitiert habe, halte ich es durchaus für denkbar, dass die weitere Zusammenarbeit zwischen Dir und der Polizei anschließend etwas ... äh ... holprig vonstatten geht ... :-)

LG,

Steel

9
Jan
2009

Vermisste Personen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser.

Ich hoffe, ihr habt den Jahresübergang alle gut überstanden. Ich habe 2009 leider mit einer fetten Grippe begonnen, aber die ist inzwischen bis auf etwas Husten auch wieder vorbei.

Statt einer kleinen Anekdote diesmal mal wieder eine Frage an euch:

Wann kann man eurer Meinung nach (nicht googlen) einen Menschen als vermisst melden? Wann muss die Polizei nach jemandem suchen?

Ich denke einfach schon zu lange als Polizist, so dass ich in diesem Fall die Gedanken meiner Anrufer nicht immer nachvollziehen kann. Ich bitte um rege Teilnahme :-)

LG,

Steel

24
Dez
2008

Frohe Weihnachten

Ein paar Kommentatoren haben in der Vergangenheit ja immer wieder versucht, die Leser dieses Blogs als naive Masse von Menschen darzustellen, die völlig willen- und meinungslos alles toll findet, was Steel so postet. Das dem überhaupt nicht so ist, zeigt wohl die Diskussion im vorangegangenen Artikel mehr als deutlich. Ich habe mich sehr über die rege Diskussion gefreut und vor allem darüber, dass es so viele Leser gibt, die völlig richtig darauf bestehen, dass in dem beschriebenen Fall eine Warnung im Sinne von Gefahrenabwehr unbedingt erforderlich ist. Ich bin stolz auf euch. Ich finde eure Einstellung gut, richtig und wichtig. Was wichtig ist, sieht aber jeder ein wenig anders. So sind für manchen zum Beispiel Fritten wichtiger als Fragen eines Polizisten ...

Montag, 22.12.08

Die normale Amtsleitung klingelt.
"Leitstelle der Polizei XY, Steel, guten Tag."
"Guten Tag. Mein Name ist Doktor M. Sie müssen mir dringend helfen. Meine Frau und ich haben uns Samstag entschlossen uns zu trennen. Und jetzt hat sie mich angerufen und gesagt, ich solle mich in Gedanken von ihr und unseren drei Kindern verabschieden. Sie wolle sich mit den Kindern von der ZZ-Autobahnbrücke stürzen. Bitte glauben Sie mir. Ich bin nicht betrunken oder verwirrt oder so. Ich bin Arzt und befinde mich in meiner Praxis und es geht wirklich um Leben und Tod. Bitte."
"Ganz ruhig. Ich glaube Ihnen ja. Also, Ihre Frau hat ausdrücklich die ZZ-Autobahnbrücke genannt!?"
"Ja, genau da wollte sie hin."
"Wo wohnen Sie denn und was für ein Auto fährt Ihre Frau?"
"Hören Sie - es geht jetzt wirklich um Sekunden. Das Leben meiner Frau und meiner Kinder ist in Gefahr und Sie stellen mir hier solche Fragen. Bitte unternehmen Sie schnell etwas."
"Das möchte ich. Aber um schnell und effektiv arbeiten zu können, brauche ich bestimmte Informationen. Sie sagen, es geht um Sekunden - wann haben Sie denn mit Ihrer Frau telefoniert?"
"Hm... Das war so gegen 14.00 Uhr. Genau. Da hat sie gesagt, dass sie sich umbringen will."
Ungläubig. "14.00 Uhr??? Das war vor ZWEI STUNDEN! Es ist jetzt 16:03 Uhr!!!"
Ausweichend. "Pfff.... Jaaaa. Wissen Sie, sie hatte mich da aber auch gerade auf dem Handy erreicht, als ich an der Pommes-Bude war. Und anschließend hatte ich noch Patienten in der Praxis, um die ich mich erstmal kümmern musste ..."
.

.
.
Den weiteren Dialog, meinen kleinen Konflikt mit der Wohnortbehörde der Familie (die zuständige Leitstelle wollte den Fall lieber an mich abwimmeln) erspare ich euch. Die Geschichte ging jedenfalls gut aus. Letztlich wurde die Frau samt der drei Kindrer und einer Eheberaterin an der Heimatadresse wohlbehalten angetroffen.

So, lieben Leserinnen und Leser - ich wünsche euch ein schönes und friedliches Weihnachtsfest. Ich feiere heute auch im Kreise der Familie; ab morgen um 13.00 Uhr passe ich dann wieder auf euch auf. Ich hoffe, ihr ruft nicht zu oft an ... :-)

Frohe Weihnachten,

euer Steel

30
Nov
2008

Steel grübelt

Meistens stellt mich ja das sogenannte polizeiliche Gegenüber vor Rätsel. Meistens... Aber auch die Führung, sowohl die behördliche als auch die des IM ist für mich nicht immer völlig transparent. Könnt ihr mein Stirnrunzeln bei dem folgenden Sachverhalt begreifen oder sehe ich da einfach nicht klar?

"Steel, in V-Stadt sind zwei Jugendliche ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sie hatten nach dem Genuss von Marihuana schwere Lungenbeschwerden. Das BtM wird jetzt in einem Labor untersucht. Es kann sein, dass etwas mit dem Zeug nicht in Ordnung war. Falls dem so ist, dann musst Du mal schauen, ob Du, ggf. in Zusammenarbeit mit der Pressestelle, die Öffentlichkeit warnst."

Ähm. Ich soll die Öffentlichkeit informieren, dass sie sich ggf. gesundheitliche Schäden zufügen, wenn sie illegale Substanzen konsumieren?
Was meint ihr?

27
Nov
2008

Ein dickes Schloss

Ich weiß, dass so mancher Leser verärgert ist, weil hier schon länger nichts Amüsantes mehr zu lesen war. Aber ich werde weiter authentisch bleiben und mir nicht irgendetwas aus den Fingern saugen. Da nach mir auch mein Chef erkrankt war, musste ich wieder mal in die Rolle des PvD schlüpfen. Und so habe ich mich in den vergangenen anderthalb Wochen mit Meldepflichten, Urlaubsplanung, Presseberichten, Besprechungen etc. herumgeschlagen. Auch heute dauerte mein Dienst-Tag 11 Stunden, ohne dass ich ein einziges Telefonat mit einem Bürger geführt habe. Was mich aber nicht daran hindert, einen kurzen Dialog wiederzugeben, den der Kollege neben mir am Telefon führte ...

"Polizeinotruf."
Eine weibliche Stimme. "So, jetzt brauche ich mal ganz schnell ein dickes Schloss!"
"Hm. Aha. Dann kaufen Sie eines, vielleicht ... bei OBI?"
Nachdenklich. "Kaufen. OBI. Hm... Ist das denn teuer? Nee, das geht nicht. Ich habe kein Geld."
"Tja, vielleicht kann ein Nachbar oder der Hausmeister aushelfen...!?"
Eine Idee. "Ah, moment mal. Es kann sein, dass ich selbst eines habe. Ich schau mal nach ..."

Erklärt ihr es mir. WARUM ruft sie den Notruf an???

10
Nov
2008

Lebenszeichen

Ich bin zurück aus einem dreiwöchigen Urlaub und habe eine schöne Grippe mitgebracht...
Ab nächste Woche bin ich wieder im Dienst, und bin dann wohl erstmal kein PvD, so dass einer Menge Telefonate, bei denen das ein oder andere bloggenswert sein dürfte, nichts im Wege steht.

Bis die Tage,

Steel

20
Sep
2008

PvD, Wikipedia, Leitplanken

Lange Zeit habe ich hier nichts von mir hören lassen. Das lag einerseits daran, dass ich jede Menge Stress und wenig Zeit hatte, zum anderen, dass ich die letzten Wochen immer Polizeiführer vom Dienst war. In dieser Funktion mache ich vor allem so „Chefzeugs“, gehe aber kaum ans Telefon.

Apropos PvD: Habe aus Spaß mal verschiedene Sachen in der Wikipedia nachgeschlagen und entdeckt, dass dort auch Einiges über die Polizei geschrieben wird. Hier ist Vorsicht geboten. Nimmt man z. B. nur mal den Artikel „DGL“ (Dienstgruppenleiter), dann mag in irgendeinem Bundesland vielleicht stimmen, was dort steht. Auf NRW trifft die Funktionsbeschreibung aber kaum zu. Das ist dem Artikel aber nicht zu entnehmen; er ist geschrieben, als sei er allgemeingültig.

Damit dieser Artikel nicht ganz ohne Schmunzler bleibt, berichte ich euch von einem Gespräch, das ein Kollege mit einem Bürger führte, der eine Panne auf einer Autobahn hatte. Es sind eben nicht immer die Bürger, die auf dem Holzweg sind…

Kollege: „… nein, klettern Sie über die Leitplanke, damit Sie in Sicherheit sind … Ja, egal wie hoch das ist … Sie tun jetzt, was ich sage … Klettern Sie jetzt über … Was? … Auf einer Brücke sind Sie …. Ja, gut …. Sie müssen jetzt nicht unbedingt darüber klettern …

11
Aug
2008

Aus Prinzip

Es gibt Menschen, die halten eisern an ihren Prinzipien fest. Eigentlich eine gute Sache. Aber es gibt Menschen, die bleiben auch dann stur, wenn es wenig sinnvoll ist. Und dann hilft die Polizei auch schon mal nicht ...

Gespräch eines Kollegen im Nachtdienst:

Ein älterer Mann. "... Musik viel zu laut. Das kann so nicht sein. Ich möchte, dass Sie sofort hierhin kommen und für Ruhe sorgen. Eine Unverschämtheit, so etwas."
Der Kollege ist ruhig und routiniert. "Das verstehe ich. Ich werde gleich meine Kollegen ..."
Unwirsch unterbrechend. "Ach, und eins noch: Ihre Kollegen sollen aber nicht bei mir klingeln. Ich nehme jetzt mein Hörgerät raus, dann höre ich gar nichts mehr."
Verblüfft. "Moment - dann hören Sie GAR NICHTS mehr!?"
"Ja, richtig. Also, klingeln hat keinen Sinn."
"Ja, dann schicke ich ihnen keinen. Denn die Musik hören Sie ja dann auch nicht mehr."
Unbeirrt. "Das spielt aber keine Rolle. Falls ich mal aufs Klo muss, dann mache ich das Hörgerät wieder rein ..."
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